Mahnmal-KircheMahnmal

„Vergessene Opfer“ – Zwangsarbeiter beim Autobahnbau

 
Die ersten Autobahnen und viele Planungen gab es bereits vor der Naziherrschaft.
Die Nationalsozialisten machten aber daraus einen Mythos; man baute die „Straßen des Führers“. Im Westen sollten die Autobahnen auch dem besseren Anschluss an die Mitte des Reiches und als Zubringer für Kriegsmaterial dienen.

Die Arbeiten am Abschnitt Koblenz - Trier im Bereich Wittlich dauerten vom Herbst 1939 bis zum Beginn des Jahres 1942. Bis zum Baustopp war nur ein kleiner Teil befahrbar.

Entlang der Strecke arbeiteten neben freien Arbeitern viele Zwangsarbeiter:

Häftlinge des KZ Hinzert, vor allem aus dem Außenlager in Wittlich/Hahnerweg

Häftlinge der Justizvollzugsanstalten Wittlich

Kriegsgefangene und Zwangsverpflichtete in verschiedenen Barackenlagern

jüdische Zwangsarbeiter

 

Es waren Menschen unter anderem aus


Autobahnbau


Luxemburg

Frankreich

der Sowjetunion

Polen

und den Niederlanden

Diese Menschen arbeiteten größtenteils unter unmenschlichen Bedingungen, wurden gequält und misshandelt. Viele von ihnen haben die Zeit des Nationalsozialismus nicht überlebt.

Ihnen zum Gedenken wurde dieses Mahnmal errichtet.

Entwurf und Ausführung: Sebastian Langner, Wittlich

Förderverein Autobahnkirche St. Paul Wittlich e.V.

(www.autobahnkirche-stpaul.de)

 

 

Bei der Enthüllung des Mahnmals sagte der ausführende Künstler Sebastian Langner unter anderem:

"….Die Wand erschien auch deshalb passend, weil eine Gestaltung in Reliefform oder zweidimensional beim Thema Autobahn formal funktionierender war.

Edelstahl - meine Materialwahl - ist haltbar und für eine grafische Lösung geeignet. Er ist in seinem geschliffenen Erscheinungsbild uneitel und bietet gerade genug Kontrast zum Mauerwerk.

Bei der Suche nach der Form kam ich von der Sprache her: woher kommt etwas, wo wurzelt es? Die Sprache benutzt ein Bild aus der Natur und über die Sprache transformiert, übersetze ich es zurück in ein Bild. Das Bild wird zum Sinnbild also zu einem Symbol.

Das heutige Zeichen für Autobahn, man kennt es so ähnlich von Verkehrsschildern - die Brücken stehen für die Kreuzungsfreiheit, das Hauptmerkmal der Autobahn - erwächst aus einer unordentlich, wurzelhaft erscheinenden Form, die in einer zweiten Ebene vorgeblendet ist. Die Autobahn stößt auf die untere  Platte. Die Vergangenheit wird in einer Negativform, durch Auslassung, dargestellt. Die Negativform enthält auch die herausgelaserte Inschrift und steht hier für die Sinnebene, die über der Realebene liegt. Deshalb liegt diese Ebene auch als eigene Platte vor der anderen. Wir schauen durch die Sinnebene mit der Erkenntnis des Unrechts auf die Realität.  Diese zweite Ebene gibt den Blick frei auf die rote Farbe, die wegen ihrer Nähe zur Farbe des Blutes für die existenzielle Situation der Zwangsarbeiter steht. Es ging um die körperliche und geistige Unversehrtheit und auch um Leben und Tod. Blutrot steht für Gewalt.

Mahnmal-Wurzel
Die Wurzel besteht in ihren feinen Verästelungen aus stacheldrahtartigen Formen. Sie liegt formal zwischen Wurzel und Stacheldraht. Dass das erst auf den zweiten Blick erkennbar ist, erhöht den Effekt und spiegelt unsere späte Erkenntnis des begangenen Unrechts beim Autobahnbau. Der Stacheldraht steht für das Gefangensein, die Unfreiheit.…."

 

 

 

 

In einem Grußwort in der Feierstunde zur Enthüllung des Mahnmals erklärte Direktor Dr. Paul Dostert, Luxemburg, vom Centre de Documentation et de Recherche sur la Résistance:

"…Die Erinnerung an diese Lager ist in Luxemburg noch recht gut vorhanden, auch wenn z.B das Lager Greimerath, in welchem etwa 50 jüdische Zwangsarbeiter aus Luxemburg untergebracht waren, in der Erinnerung fast verschwunden ist. Und dies obwohl schon gleich nach Kriegsende die Erinnerung an die Zwangsarbeiter beim Autobahnbau in Wittlich sehr lebendig war. Als 1952 die „Liga der politischen Gefangenen und Deportierten (LPPD) das „Livre d’Or de la Résistance luxembourgeoise de 1940-1945“ veröffentlichte, widmete man dem Einsatz der Luxemburger auf der Autobahnbaustelle ein eigenes Kapitel: L’aventure de l’Autostrade, verfasst von einem ehemaligen Zwangsarbeiter, Lambert Schaus….

"Ihre Initiative hier und heute hat auch in Luxemburg neue Forschungen angeregt und ich darf hoffen, dass wir sowohl in der Gewinnung neuer Erkenntnisse als auch in der gemeinsamen Gedenkarbeit in Zukunft weiterhin gut zusammenarbeiten und im Sinne eines geeinten Europas über die Grenzen hinweg in bester Harmonie zusammenleben werden. Dazu bedarf es der Aufarbeitung dieser gemeinsamen Vergangenheit.

Ich danke Ihnen für Ihre Initiative und die Einladung."