Franz-Josef Janicki SVD

 Weihnachten - Heilige Nacht (24./25. Dezember)

Das Kind, das Wichtigste an Weihnachten

Krippe-Wissen das die Tiere?
-Wissen das die Menschen?
-Maria und Josef wissen es.

-Die Hirten wissen es.

-Das Volk des Jesaja weiß es.
-Wir können es lernen.

Wissen das die Tiere?

TiereWas ist das Wichtigste an Weihnachten? Darüber streitenin einer Fabel einige Tiere. Für den Fuchs ist der Gänsebraten das Wichtigste, für den Eisbär der Schnee, für das Reh der Tannenbaum, für den Pfau ein neues Kleid und für Eule sind es die Kerzen. Die Elster favorisiert neuen Schmuck, der Bär süße Sachen in rauen Mengen und der Dachs den Schlaf. Der Ochse möchte beides: Pennen und Saufen. Wie er das so herausbrüllt: ‘Pennen und Saufen ist die Hauptsache an Weihnachten’, versetzt ihm  der Esel einen gewaltigen Tritt: ‘Du Ochse, denkst du denn nicht an das Kind?’ Beschämt senkt der Ochse den Kopf und brummt: ‘Das Kind, ja das Kind ist das Wichtigste an Weihnachten.’ ‘Übrigens,  fragt er dann den Esel, ‘wissen das die Menschen eigentlich?’                                ( zurück )  

Wissen das die Menschen?

MenschenDer Ochse stellt eine gute Frage. Ja wissen die Menschen das noch: das Kind an Weihnachten das Wichtigste?  Natürlich wissen das die Menschen: an einem Geburtstag ist das Geburtstagskind das Wichtigste. Aber wissen sie das auch bei diesem Geburtstag? Manchmal scheinen sie es vergessen zu haben. So vieles ist an diesem Tag wichtiger als  Jesus, das Geburtstagskind. Vielen geht es wie den Tieren in der Fabel. Müsste ihnen nicht auch eine Art Esel  einen Tritt versetzen und sie zum Nachdenken zwingen? Vielleicht geht es humaner! Die Lesungen des heutigen Festes erzählen vom ersten Geburtstag dieses Kindes. Sie stellen ihn in einen bestimmtem Zusammenhang. Offensichtlich ist ihnen das Kind wichtig. Die Menschen, die hier erzählen und deuten, schauen auf die Menschen, denen dieses Kind wichtig wurde. Sie lernen von ihnen und deshalb erzählen sie davon, damit dieses Kind auch  für uns wichtig wird.        ( zurück )

Maria und Josef wissen es ...

Ich schaue deswegen mit ihnen zunächst auf Maria und Josef.  Sie MariaJosefsind Menschen, die sich auf einen Weg begeben. Sie verlassen ihren Wohnort auf Weisung des römischen Kaisers. Sie erreichen Bethlehem, die Stadt Davids. Vor den Toren dieser Stadt kommt Jesus zur Welt. In einer Erdhöhle wird er geboren und in eine Krippe gelegt. In der Herberge gibt es keinen Platz für ihn. Dass dieses Kind mehr ist als alle anderen Kinder, zeigt sich erst später, wenn es sich als Messias und Herr erweist. Mit diesem Kind legen Maria und Josef und   viele andere Menschen, vor allem wenn es erwachsen ist, einen weiten Weg zurück. Teilweise begleiten sie ihn bis zum Kreuz und werden Zeuginnen und Zeugen seiner Auferstehung. Auf dem Weg mit ihm eröffnet er ihnen neue Lebenshorizonte. Der Weg mit diesem Kind, mit diesem Menschen, wird für das Glücken ihres Lebens wichtig. Das dürfen Maria und Josef als erste ein Stück weit erfahren.                                                                    ( zurück )

Die Hirten wissen es...

HirtenDann schaue ich auf die Hirten, die zweite Menschengruppe, die mit dem Kind in Berührung kommt. Die Hirten sind Menschen, die wachen. Sie wachen auch in den Nächten. Wachen ist ihr Beruf, ihr alltäglicher Dienst für ihre Herden. Das, was ihr alltägliches Leben kennzeichnet, entfaltet sich bei ihnen zu einer existentiellen Grundstruktur, die die Nächte des Lebens mit ihrem Wachen durchstößt. In den Nächten des Lebens geschieht nach altem mythischen Wissen das Entscheidende für eine Bereicherung des Lebens. So können die Hirten in der heiligen Nacht die entscheidende Botschaft vernehmen: ‘Euch ist in der Stadt Davids der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr.’ Die große Lebensunsicherheit und Lebensangst wird überwunden. Eine große Freude bricht auf und nimmt ihren Lauf. Ihr Leben, das Leben überhaupt gerät in ein neues Verhältnis zu sich selbst und zu dem, der es schenkt und in seine Zukunft führt. Mit dem Kind, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt, beginnt eine fundamentale Bereicherung ihres Lebens. Das Kind, für sie das Wichtigste in dieser Nacht, erreichen sie, weil sie wachen. Als solche führt sie das Kind in ihre Lebensfülle.                                                            ( zurück )

 Das Volk des Jesaja weiß es ...

JesajaDann schaue ich mit Jesaja auf das Volk, das im Dunkel lebt, aber ein helles Licht sieht und auf die Menschen, die im Land der Finsternis wohnen und ein strahlendes Licht erblicken. Diese Menschen leben mit einer großen Sehnsucht im Herzen, mit einer faszinierenden Vision, mit einem attraktiven Zukunftsbild, in denen sie neue Lebenshorizonte erfahren. Sie bewahren in ihrer Lebenswelt, die gekennzeichnet ist von der Schwere des  Tragholzes auf ihren Schultern, von den harten Stöcken der Treiber in ihren Rücken, von dröhnend daherstampfenden Kriegsstiefeln und von den blutbefleckten Herrschermänteln, die Hoffnung auf eine neue Welt und halten sie durch. Deswegen hören sie jetzt die Botschaft: ‘Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt.’ Mit diesem Kind beginnt die Welt, in der der Fürst des Friedens herrscht und dessen Reich des Rechtes und der Gerechtigkeit durch den leidenschaftlichen Eifer des Herrn der Heere heraufzieht Ihr sehnsüchtiger, visionärer, zukunftsorientierter Lebensentwurf und Lebensstil lassen sie das Kind als wunderbaren Ratgeber, als starken Gott, als Vater in Ewigkeit und als Fürst des Friedens sehen. Als solcher wird es für sie wichtig zum Gelingen vor allem ihres sozialen und politischen Lebens.                                                                                           ( zurück )

 Wir können es lernen ...

So wichtig und schön all das sein kann, mit dem wir Weihnachten ausschmücken und zu einem wunderbaren Fest machen, das Kind ist das Wichtigste. Wenn wir das Kinderfahren wollen, müssen wir wohl ähnlich leben wie die Menschen, denen das Kind Jesus zuerst wichtig wurde. Wir müssen und dürfen unser Leben als Weg mit diesem Kind begreifen, das uns immer wieder je neue Lebenshorizonte eröffnet, auch über den Tod hinaus. Denn dieses Kind als Messias und Herr birgt die Lebenszusage und Lebenskraft Gottes in sich, die alle menschlichen Untergänge überwinden. Wer mit diesem Kind unterwegs ist, kann deswegen auch nicht stehen bleiben und sich voll- und abpacken lassen mit dem Gewicht zweitrangiger Wirklichkeiten, so faszinierend sie auch sein mögen. Sie behindern nur den Aufbruch.
Weiter müssen und dürfen wir als wache Menschen leben, wenn wir die Nächte unseres Lebens mit ihren Unwägbarkeiten, Unsicherheiten und Ängsten in helle Lebenszuversicht verwandeln lassen wollen. Gerade in diesen Lebensnächten der Angst, der Unsicherheit, der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung ist uns das Kind als Retter, Messias und Herr nahe. Es wird dann auch unser Leben durch seinen ganzen Lebensentwurf bereichern und in seine Fülle führen.
Wir werden ferner, wenn uns das Kind wichtig werden soll, wie die Menschen des Jesaja sehnsüchtig, visionär und zukunfts- und hoffnungsorientiert leben müssen. Wir werden uns nicht abfinden dürfen mit Missverständnissen, Zerwürfnissen, Zwietracht, Streit, Kampf und Krieg. Wenn uns die Sehnsucht dazu anleitet, das alles zu überwinden, wenn uns die Vision von Frieden und Versöhnung in ihre Zukunft hineintreibt, werden wir von diesem Kind und seiner Frieden  stiftenden Lebenswelt die entscheidenden Impulse dafür erfahren. Mit diesem Kind werden wir uns gegenseitig immer wieder entfeinden, versöhnen und dem Frieden öffnen, der letztlich göttlich Qualität hat. Das wird sich auswirken in einem erfüllten sozialen und politischen Leben als Verweis auf die Wirklichkeit, die Jesus als Mann ‘Reich Gottes’ nennt. So kann  uns neu aufgehen: das Kind Jesus ist das Wichtigste, die Hauptsache, die Hauptperson an Weihnachten.                                                                          
 ( zurücok )